Wasserstrahlschneiden

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Wasserstrahlschneiden ist eine Werkzeug-Technologie. Siehe auch Waterjet. Beim Wasserstrahlschneiden wird ein Werkstück durch einen Hochdruckwasserstrahl getrennt. Es wird zum Schneiden entweder gefiltertes Wasser oder bei speziellen Materialien zusätzlich zum Wasser ein Abrasivmittel z. B. Sand verwendet. Das Wasserstrahlschneiden ist eine Kaltschneidetechnologie.

Geschichte des Wasserstrahlschneidens

Der Wasserstrahl wurde schon im frühen 20. Jahrhundert zum Abtragen von Kies- oder Tonablagerungen verwendet. Auch wurde der Wasserstrahl in den amerikanischen Goldminen zum Trennen der Goldadern von Steinen und Erde verwendet. Ebenfalls fand der Wasserstrahl ab 1930 Verwendung von amerikanischen und russischen Ingenieuren zum Putzen von Gussstücken. Zu dieser Zeit wurden Drücke von 100 bar genutzt. An eine Maschine von Norman Franz, die mit 700 bar arbeitete, wurde das erste Patent vergeben. Im Flugzeugbau wurden in den 1960er Jahren Verbundwerkstoffe eingeführt, was die Firma Boeing dazu anregte zur Bearbeitung solcher Materialien den Wasserstrahl einzusetzen. 1971 wurde dann das erste kommerzielle System in Betrieb genommen: Ein von der Ingersoll-Rand Tochter McCartney Manufacturing Company in Baxter Springs entwickeltes System diente zum Schneiden von Papierrohren. In dieser Zeit wurde mit reinem Wasserstrahl geschnitten. Die bearbeiteten Materialien waren z.B. Papierwindeln und Wabenmaterialien für den Luft- und Raumfahrtbereich, die sich mit herkömmlichen Methoden nicht bearbeiten ließen.

Seit Anfang der 70er Jahre verfügte Ingersoll-Rand über Hochdruckpumpen, die kontinuierliche Drücke bis zu 3.800 bar liefern konnten. Und eine weitere Ingersoll-Rand Tochter, die schwedische Bestmatik, entwickelte in Europa einen Schneidtisch zum Schneiden von Puzzles aus Sperrholz. Der reine Wasserstrahl ist hervorragend geeignet, weiche, zähe oder empfindliche Materialien sehr präzise zu bearbeiten. Leider ist er nicht in der Lage, harte Materialien wie Keramik, Stahl, Glas oder Stein zu schneiden. Um diesem Nachteil abzuhelfen, wurde schon früh versucht, dem reinen Wasserstrahl ein hartes Schleifmittel beizufügen. Anfang der 80er Jahre trat die Abrasivtechnik aus dem Laborstadium heraus und Ingersoll-Rand übernahm 1984 diese Technik mit der Hydroabrasive Division in sein Produktspektrum. Ein weiteres neues Verfahren namens Dynamic Waterjet, kam Ende der 1990er Jahre von FLOW auf dem Markt. Dieses Verfahren ermöglichte ein sehr genaues schneiden, auch bei dicken Werkstücken.

Wasserstrahlschneiden Verfahren

Wasserstrahlschneide ist ein Fertigungsverfahren, bei welchem Materialien mit einem Hochdruckwasserstrahl getrennt werden. Der Druck des Wasserstrahls kann bis zu 6000 bar erreichen. Die Austrittsgeschwindigkeit beträgt bei diesem Verfahren von bis zu 1000 m/s. Charakterisierend für das Wasserstrahlschneide-Verfahren ist die geringe Hitzeentwicklung beim Schneidevorgang.

Rein-Wasserstrahlschneiden

Beim Rein-Wasserschneiden wird zum Schneiden eines Werkstückes nur gefiltertes Wasser verwendet. Somit ist das Wasser das trennende Werkzeug. Dieses Verfahren dient vor allem zum Schneiden von weichem Material z. B.:

  • Papierprodukte
  • Dichtungsmaterial
  • Kunststoffe
  • Schaumstoffe
  • Textilien
  • Lebensmittel
  • Silikon
  • Leder

Dabei ist das Schneiden mit diesem Verfahren äußerst präzise. Der schneidende Wasserstrahl kann feiner als 0,1 Millimeter.

Abrasiv-Wasserstrahlschneiden

Um harte Werkstoffe wie z. B. Metalle mit dem Schneide-Verfahren Wasserstrahlschneiden zu durchtrennen, muss dem Wasserstrahl ein Schneidemittel (Abrasiv) z.B. Granatsand beigemischt werden. Dadurch besteht der schneidende Strahl, auch Abrasivstrahl genannt, aus Wasser und dem Schneidemittel, und ist das trennende Werkzeug.

Beispiele für Materialien, die mit dem Verfahren Abrasiv-Wasserstrahlschneiden schneidbar sind, sind folgende:

  • Aluminium
  • Stahl
  • Titanium
  • Glas
  • Keramik
  • Gestein

Beim Abrasiv-Wasserstrahlschneiden verfügt die Wasserstrahlanlage über einen Schneidkopf, der aus drei Komponenten besteht: Reinwasser-Fokussierdüse, Abrasiv-Mischkammer und Abrasivfokussierdüse. Im ersten Schritt wird das hochkomprimierte Wasser durch die Reinwasserdüse zu einem Strahl geformt. Dieser geformte Strahl schießt mit einer Geschwindigkeit von 1000 m/s durch die Mischkammer und erzeugt dadurch einen Vakuum im Schneidkopf. Eine kleine Öffnung im Schneidkopft sorgt jetzt dafür, dass Schneidemittel (Abrasiv) in die Mischkammer gesaugt und mit dem Wasserstrahl vermischt wird. Das dadurch entstehende Wasser-Abrasiv-Gemisch wird dann in der Abrasivdüse fokussiert und tritt zum Schneiden aus.

Einsatzgebiete Wasserstrahlschneiden

Branchen in denen Wasserstrahlschneiden eingesetzt wird:

  • Werkzeugbau
  • Feinmechanik
  • Automotive
  • Baugewerbe
  • Architektur
  • Design
  • Apparatebau
  • Maschinenbau
  • Anlagenbau Windkraft
  • Messebau
  • Küstenschutz

Mikrowasserstrahlschneiden

Mit dem Verfahren Mikrowasserstrahlschneiden (englisch: Microwaterjet) ist es möglich noch präzisere Schnitte zum machen, da der Strahldurchmesser bei diesem Verfahren verkleinert wird. Der Mikrowasserstrahl kann eine Schneidegenauigkeit von +/-0,01 mm und eine Positionsgenauigkeit von +/- 0,005 mm erreichen. Somit wird auch die Schnittbreite reduziert. Beim Reinwasserverfahren kann die Schnittbreite auf 0,08 mm und beim Abrasivverfahren auf 0,2 mm verringert werden.

3D Wasserstrahlschneiden

Das Wasserstrahlschneiden ermöglicht auch ein dreidimensionales Schneiden. Es lassen sich mit dem 3D Wasserstrahlschneiden komplexere Einzel- oder Serienteile anfertigen. Dabei bestimmen die Eigenschaften der Wasserschneideanlage wie genau und in welcher Komplexität dreidimensionale Schnitte möglich sind. Im Vergleich zum zweidimensionalen Wasserstrahlschneiden ist der Schneidekopf beim 3D Wasserstrahlschneiden schwenkbar, wodurch ein dreidimenisonales Schneiden möglich wird.

Wasserstrahlschneiden Vorteile

Beim Wasserstrahlschneiden wird ein Hochdruckwasserstrahl zum Schneiden eines Werkstückes verwendet, deshalb treten am Werkstück keine Veränderungen des Materials auf. Dies ist im Vergleich zu anderen Schneide-Verfahren eines der größten Vorteile des Wasserstrahlschneidens.

Weitere Vorteile sind folgende:

  • Schnittspalt wird durch das Wasser ständig gekühlt
  • Es besteht keine Gefahr, das am Werkstück Verzug oder Verfärbungen stattfinden.
  • Thermische und chemische Deformationen sind aufgeschlossen.
  • Sogut wie alle Materialien sind mit der Methode des Wasserstrahlschneidens schneidbar.
  • Das Schneiden findet ein umweltfreundliches Arbeiten ohne Entwicklung von giftigen Gasen oder Dämpfen statt.
  • Es werden nur Naturstoffe verwendet.
  • Aufgrund von gratfreien Schnittkanten und hohe Präzision des Schneide-Verfahrens, besteht kein Bedarf an Nachbearbeitung.
  • Auch dicke Werkstoffe lassen sich mit diesem Schneide-Verfahren schneiden.

Wasserstrahlschneiden Nachteile

Trotz der vielen Vorteile, hat das Wasserstrahlschneiden auch Nachteile, welche unten aufgelistet sind:

  • Die Schneide-Geschwindigkeit ist im Vergleich zu anderen Schneide-Verfahren langsam.
  • Durch Reibungskräfte an der Schnittfläche, kommt es dazu, dass der Schneide-Strahl mit wachsender Tiefe an Energie verliert und sich dadurch die Schnittqualität verschlechtert.
  • Das zu schneidende Material ist im ständigen direktem Wasserkontakt.
  • Das Schneide-Wasser muss später aufgearbeitet bzw. gefiltert werden. Das Abrasivmittel muss gesondert entsorgt werden.

Maschine Wasserstrahlschneiden

Eine Wasserstrahlschneidemaschine bzw. ein Wasserstrahlschneidsystem ist eine Werkzeugmaschine mit der das Trennen von Werkstücken mittels dem Verfahren des Wasserstrahlschneidens möglich ist.

Hochdruckpumpe Wasserstrahlschneidemaschine

Die Hochdruckpumpe bei einer Wasserstrahlschneidemaschine dient zur Erzeugung eines pulsationsfreien Hochdruckstrahles.

Entsorgung Schneidwasser

Steuerung Wasserstrahlschneidemaschine

Wasserschneidanlagen werden hauptsächlich mit einer CNC-Steuerung ausgestattet. Die CNC-Steuerung können von einer einfachsten Ausführung bis hin zu höherwertigeren Steuerungen, die z. B. beim Schneiden alle Achsen interpolieren. Darüber hinaus gibt es auch PC-Steuerungen, die den Vorteil der einfachen Einarbeitung für Bediener bieten, die sich mit CNC-Steuerungen nicht auskennen.

Anbieter von Wasserstrahlschneiden

BMA Metalltechnik

BMA Metalltechnik bietet ein Serviceprofil an, welches Schneidleistung und Einzelfertigung sowie Gesamtaufträge in Serienfertigung mit der Wasserstrahlschneidtechnik umfässt.

KMT Waterjet

KMT Waterjet stellt Wasserstrahlschneidanlagen für 1-, 2-, 3-dimensionales Wasserstrahlschneiden und Roboteranwendungen her.

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