SAP Migration - SAP Portierung

Aus induuxWiki
Letzter Autor: Christian Brommer, , 6.921 Zeichen
Verlinke diesen Wiki-Artikel mit https://wiki.induux.de/SAP_Migration
🎓 Eine Migration oder Portierung ist in der Informationstechnik ein Umstellungsprozess in Datenverarbeitungssystemen. Bei der SAP Migration beschreibt man damit die Umstellung auf ein neues Major Release



Mit Migration ist keine simple Migration einer Datenbank oder ein Update bzw. eine Aktualisierung des Systems gemeint (wie beispielsweise bei Systemkopien) Es handelt sich um einen grundlegenden Wechsel der Softwareinfrastruktur. Im Normalfall geschieht ein solcher Wechsel bei der Veröffentlichung neuer Produktgenerationen (Major Release).

Gründe für eine SAP Migration

Trotz des hohen Aufwands gibt es verschiedene Gründe für eine Migration der Enterprise-Resource-Planning Suite (ERP-Suite) von SAP, zum Beispiel:

  • Alt-Systeme aktualisieren: Oft können Altsysteme neue Updates nicht mehr verarbeiten oder sind nicht mehr für diese ausgelegt, dazu kommt auch das der Support für Altsysteme auslaufen kann.
  • Digitalisierung: Neue Releases bieten die Möglichkeit der Entwicklung und Digitalisierung durch top-aktuelle Software, so können Unternehmen sich einen Wettbewerbsvorteil sichern.
  • "Neu-Start“: Ein neues Release ist oft auch ein gegebener Zeitpunkt, um veraltete Datensätze zu bereinigen, auf vereinfachte Datenmodelle zu setzten und alte Prozesse zu aktualisieren.

Migrationsstrategien

Bevor eine Migration auf ein neues Major-Release durchgeführt werden kann, sollte in einzelnen Schritten ein sogenannter "Readiness-Check" durchgeführt werden - durch Vorbereitung können Fallen wie Datenverlust oder Ausfälle vermieden werden.

Migrationsprozesse haben verschiedene Ansätze: Greenfield, Brownfield oder Landscape-Transformation.

Bei der Greenfield-Methode werden keine bestehenden Systemeinstellungen übernommen, die gesamte System-Landschaft wird mittels Neuimplementierung neu aufgebaut und konfiguriert. Der Vorteil der Greenfield-Methode ist die Möglichkeit seine alten Strukturen zu verbessern und Innovations-Möglichkeiten gezielt anzuwenden.

Die Brownfield-Methode wird häufiger angewandt. Der Grund dafür ist, dass beim Übertragen auf neue Systeme Custom Codes und Voreinstellungen bestehen bleiben. Dadurch kann verhindert werden, dass IT-Teams sich komplett umstellen müssen, Prozesse ausfallen oder Datensätze verloren gehen.

Weiterhin existiert auch die Möglichkeit beide Versionen als Hybridvariante miteinander zu kombinieren.

Bei der Landscape-Transformation werden bereits vorhandene SAP-ERP-Lösungen in SAP S/4HANA zusammengeführt. Es wird dabei quasi eine selektive Datenmigration durchgeführt.

Grundsätzlich sollte vor der Umstellung eine Analyse bzw. Readiness-Check durchgeführt werden:

  1.  Datenaktualität – Ein neues Major Release ist für IT-Bereiche ideal, um grundsätzliche Datenbereinigungen durchzuführen, so können unter anderem Duplikate entfernt, Stammdaten bereinigt und veraltete Prozesse erneuert werden, um die Datenqualität zu verbessern.
  2. Custom Codes – Unternehmen passen im Regelfall ihre SAP-Landschaften über die Standardeinstellungen und Prozesse hinaus an; Custom Codes und Eigenentwicklungen sind im Einsatz sind um gezielt auf individuelle Geschäftsprozesse angewendet zu werden. Für eine Umstellung muss überprüft werden welche Custom Codes in das nächste Major Release übernommen werden können und welche eventuell durch neue Funktionen automatisch ersertzt werden.
  3. Wahl zwischen Cloud/On-Premises/Hybrid-Systemen Die Wahl zwischen On-Premises und Cloud, bzw. einer Hybridvariante kann ausschlaggebend dafür sein welche Methode (Greenfield/Brownfield) sich am besten eignet.
  4. Projektplanung Eine Migration ist sehr kostspielig und zeitaufwändig. Gegebenenfalls muss mit Partnern und Beratern vorgeplant werden, damit der Aufwand möglichst gering bleibt.
  5. Ausführen Die Ausführung des Projekts ist der zeitaufwändigste Punkt, je nach Wahl des Migrationsverfahrens und des künftigen Systemaufbaus.

SAP S/4HANA Migration

Bei dem aktuellen Major Release seitens SAP also S/4HANA, gibt es die Möglichkeit entweder On-Premises, Hybrid oder Cloud-Systeme zu betreiben. Auch hier gilt wieder das Migrationsverfahren nach Greenfield- oder Brownfield-Methode durchzuführen, allerdings ist bei S/4 HANA zu beachten: Bei einer Cloud oder Hybridvariante muss zwingend die Greenfield-Methode angewandt werden.

SAP HANA und S/4HANA Migration: Erfahrungen und Empfehlungen von IT-Onlinemagazin

Tools zur Datenmigration

SAP stellt mehrere Tools für die zur Verfügung:

  • SAP Data Services - kann Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen untersuchen, integrieren, anreichern und bereinigen.
  • SAP Rapid Data Migration - beschleunigt den Prozess der Bereinigung, Valdierung und Transformation.
  • SAP Information Steward - enthält Analysen und kann Bereinigungen durchführen.
  • SAP Migration Cockpit - in SAP S/4HANA enthalten und erfüllt alle Anforderungen.
  • SAP Master Data Governance - besonders zur Konsolidierung geeignet.
  • SAP Legacy System Migration Workbench (LSMW) - nicht mehr aktuelles Migrationstool, das grundlegende Anforderungen erfüllt.

Herausforderungen bei Migrationsverfahren

SAP Migrationsverfahren sind alles andere als einfach zu bewerkstelligen, was der Grund dafür ist, dass sie so viel Planung erfordern. Zu diesen Herausforderungen gehören unter anderem:

  • Kostenaufwand: Neue Lizenzen und eventuelle Abonnements bei Verwendung von Cloud-Speichern sind mit hohen Kosten verbunden, das Budget muss für die Umstrukturierung also richtig kalkuliert werden
  • Expertenwissen und Umschulung: Neue Systeme erfordern neues Wissen, durch Umstrukturierungen und erneuerte Systeme mit erneuerten oder veränderten Funktionen.
  • Zeitaufwand: Je nach größer der IT-Infrastruktur kann ein Migrationsprozess ein monatelanger Planungs- und monatelanger Ausführungsprozess ein, besonders das Bereinigen von Daten und die Konvertierung zum richtigen Format nehmen eine Menge Zeit in Anspruch, in diesem Zeitraum können eventuell teile der Infrastruktur ausfallen, das Unternehmen muss in diesem Fall darauf vorbereitet sein.
  • Datenverlust: Welche Daten für das Unternehmen hoch relevant sind, lässt sich herausfiltern, doch auch bei weniger relevanten Daten kann es kritische Daten geben. Durch den Greenfield-Approach bei Cloud-Migrationen und der entsprechenden Datenformatierung kann es immer wieder zum Verlust wichtiger Daten bei der Datenmigration kommen.