Nähfaden

Aus induux Wiki
Jetzt anfragen
Lösungen suchen
Autoren

induux international
aktualisiert am: 21.01.2020 - 10:15:56
Anzeige
Was ist ein Nähfaden? Definition:

Nähfäden werden für das Nähen, hauptsächlich im Textil-Bereich, verwendet. Abhängig von der jeweiligen Anwendung bestimmen unterschiedliche Parameter die Eigenschaften eines Nähfadens. Dabei reicht die Anwendung der Nähfäden von einfachen Haushaltsnähmaschinen bis zu komplexen Premium-Nähkonstruktionen für den (groß-)industriellen Bereich.

Auch oft gesucht: Stickgarn



Aufbau eines Nähfadens

Nach Auswahl des Rohstoffs werden die Eigenschaften eines Nähfadens durch folgende Parameter bestimmt:

  • Konstruktionsart
  • Drehung
  • Fachung
  • Stufigkeit

Während die Konstruktion der Garne individuell den Nähfadentyp bestimmt, legen Drehung, Fachung und Stufigkeit generelle Konstruktionsparameter für alle Nähfäden fest. Entsprechendes gilt auch für Stickgarne.


Nähfäden von AMANN Group.



Auswahl der Rohstoffe

Textilfasern liegen als Stapelfaser oder als Filament vor. Nach ihrer Herkunft werden sie in Naturfasern und industriell hergestellte Chemiefasern eingeteilt. Häufig werden – entsprechend ihrem Verwendungszweck – die jeweils positiven Eigenschaften der einzelnen Fasergruppen durch eine gezielte Mischung beider kombiniert.

  • Naturfasern
  • Chemiefasern

Konstruktionsart

Fasergarn Amann
Schematische Darstellung eines Fasergarns von AMANN Group.

Die Konstruktionsart wird definiert durch die unterschiedlichen Bearbeitungsformen der Fasern und Filamente (Reiß- und Schnittstapelfasern, glatte Multifilamente, Monofilamente, texturierte Filamente) und deren Kombination im Faserverbund. Wichtig für das Verständnis ist, dass die Konstruktionsarten anhand des Aufbaus eines Einzelgarns beschrieben werden. Der fertige Nähfaden allerdings besteht in der Regel aus zwei oder mehreren Einzelgarnen, die zusammengezwirnt werden.

Fasergarn

Bei diesem Nähfadentyp bestehen die Einfachgarne aus einzelnen, kurzen Fasern, die durch Zusammendrehen miteinander verbunden werden. Am häufigsten werden für diese Konstruktionsart die Rohstoffe Baumwolle, Polyester und Aramid verwendet. Während Naturfasern als Stapelfasern (begrenzte Länge) vorliegen, können aus synthetischen Rohstoffen Schnittstapel- und Reißstapelfasern (Schappe) hergestellt werden. Bei den Reißstapelfasern werden die Filamente in die Länge gezogen und reißen an den Schwachstellen. Dies führt zu unterschiedlich langen Fasern (20 bis 70 mm) mit verjüngten Faserenden. Das Fasergarn erhält eine relativ glatte Fadenoberfläche. Bei den Schnittstapelfasern werden die Filamente in gleich lange Faserstücke geschnitten (z. B. nach dem Vorbild hochwertiger Baumwolle ca. 40 mm). Durch das Schneiden der Fasern sind die Faserenden glatt und gleich dick. Das Fasergarn erhält eine textile Fadenoberfläche.

Fasergarne aus Baumwolle werden vorwiegend im Bekleidungsbereich für spezielle Anwendungen Eingesetzt wie zum Beispiel MercifilGD. Für den technischen Anwendungsbereich finden Fasergarne aus Para- oder Meta-Aramid ihren Einsatz. Bekannte Produkte: K-tech und N-tech.

Schematische Darstellung eines Umspinnzwirns von Amann Group
Schematische Darstellung eines Umspinnzwirns von AMANN Group.

Umspinnzwirn

Bei Umspinnzwirnen bestehen die Einfachgarne aus einem Kern aus Multifilamenten und einem Mantel aus feinen Fasern. In der Nähfadenproduktion wird dieser fertige Strang Coregarn genannt. Dabei beträgt das Verhältnis Kern zu Mantel in der Regel ca. zwei Drittel zu einem Drittel (der Mantel umhüllt den Kern, deckt ihn aber nicht vollständig ab). Dies kann je nach Anwendung des Nähfadens variieren. Die Multifilamente im Kern sind meist aus Polyester. Selten kommen hierfür auch andere Rohstoffe zum Einsatz. Für die Faserumspinnung werden Polyester- oder Baumwollfasern verwendet. Man unterscheidet dementsprechend den Polyester/Polyester Umspinnzwirn und den Polyester/Baumwolle Umspinnzwirn. Polyester/Polyester Umspinnzwirne können eine Schnittstapel- oder eine Reißstapelfaser-Umspinnung erhalten. Letztere sind heute eher selten. Fast alle Polyester/Polyester Umspinnzwirne haben eine Umspinnung aus Polyester-Schnittstapelfasern nach dem Vorbild hochwertiger Baumwolle mit einer Länge von ca. 40 mm. Umspinnzwirne haben wie Fasergarne eine geschmeidige und textile Oberfläche. Aufgrund der Kombination von Multifilamentkern und Faserumspinnung sind Umspinnzwirne besonders leistungsstark. Reißfestigkeit und Scheuerfestigkeit liegen im Vergleich zu Fasergarnen auf einem deutlich höheren Niveau. Die Vernähbarkeit von Umspinnzwirnen ist hervorragend und ermöglicht eine einwandfreie Verarbeitung auch bei schwierigen Aufgaben, wie z. B. multidirektionale Nähoperationen und Wäscheknopflöcher. Deshalb haben Umspinnzwirne ein sehr großes Anwendungsspektrum. Bekannte Produkte sind der Polyester/Polyester Umspinnzwirn Saba und der Polyester/Baumwolle Umspinnzwirn Rasant.

Multifilament

Schematische Darstellung eines Multifilaments von Amann Group
Schematische Darstellung eines Multifilaments von AMANN Group.

Bei Zwirnen aus Multifilamenten werden die Einfachgarne aus endlosen Fasern (Filamenten) hergestellt. Zum Teil werden bis zu 200 Einzelfilamente zu einem Garn zusammengefasst (Multifilament). Rohstoffe sind vorwiegend Polyester und Polyamid, für technische Einsatzgebiete auch Aramide, Polyethylen, Polytrimethylenterephthalat, Polypropylen und Polyetheretherketon. Während die gröberen Stärken in der Regel 3-fach-Konstruktionen sind, wird für die feineren Qualitäten überwiegend die 2-fach-Konstruktion gewählt (siehe Nähfadenaufbau/Fachung). Aufgrund ihrer Konstruktion haben Multifilamente eine glatte, glänzende Oberfläche und einen gleichmäßigen Zwirncharakter. Zudem zeichnet sie eine sehr hohe Reißfestigkeit und Scheuerfestigkeit aus. Multifilamentzwirne werden vorwiegend für Schuhe und Accessoires, Home Interior und Techtex eingesetzt. Bekannte Produkte sind Serafil (Polyester Multifilament) und Onyx (Polyamid Multifilament), sowie für Techtex: Nc-tech, Kc-tech, C-tech, I-tech, Zyex®

Im Bekleidungsbereich werden in der Regel nur die Feinstärken verwendet. Die Haupteinsatzgebiete sind Schnittkantenversäuberung sowie Blindstichnähte. Besonders im Bereich der Stickgarne ist die klassische Konstruktionsart das Multifilament aus Trilobalem Polyester. Die trilobale Filamentform vergrößert die lichtreflektierende Materialoberfläche und sorgt für den eindrucksvollen, wichtigen Glanz einer Stickerei. Bekannte Produkte: Isacord

Texturiertes Multifilament

Schematische Darstellung eines texturierten Multifilaments von Amann Group
Schematische Darstellung eines texturierten Multifilaments von AMANN Group.

Zur Herstellung dieser Konstruktionsart werden Multifilamente durch den sogenannten Falschdrahttexturiervorgang permanent gekräuselt. Diese texturierten Multifilamente bestehen meist aus Polyester oder Polyamid und sind bauschig und voluminös. Umgangssprachlich werden diese auch als Bauschgarne bezeichnet. Die Kräuselung der Multifilamente sorgt zusätzlich für einen weichen Griff, eine matte Optik und eine hohe Elastizität. Typische Anwendungsgebiete sind aufgrund der besonderen Eigenschaften Versäuberungsund Überdecknähte im Wäsche- und Bekleidungsbereich sowie Kantenversäuberung von Teppichböden. Bekannte Produkte: Sabatex

Geflochtenes Multifilament

Schematische Darstellung eines geflochtenen Multifilaments von Amann Group
Schematische Darstellung eines geflochtenen Multifilaments von AMANN Group.

Zur Herstellung eines geflochtenen Multifilaments werden zwölf bis 16 Filamentgarne (Multifilamentbündel) – je nach Dicke des fertigen Fadens – auf sogenannten Klöppeln um einen Flechtpunkt herumgeführt. Daher ist die Produktionszeit eines „Flechtfadens“ deutlich länger (18-mal länger als die Herstellung eines vergleichbaren Multifilamentzwirns). Der am häufigsten eingesetzte Rohstoff für geflochtene Multifilamente ist Polyester. Bedingt durch die Konstruktion und die eingesetzten Multifilamente haben Flechtfäden eine glatte und dekorative Oberfläche. Die Reißfestigkeit und Scheuerfestigkeit sind sehr gut. Flechtfäden werden für dekorative Nähte bei Schuhen, Polstern und bei Leder eingesetzt. Sie bringen die Naht durch die spezielle Konstruktionsart besonders zur Geltung. Bekannte Produkte: Polyester Multifilament Serabraid.

Texturiertes Mikrofilament

Für besonders weiche Nähte ist ein texturiertes Polyester Mikrofilament zu empfehlen. Durch die hohe Anzahl feiner Mikrofilamente wird der Nähfaden extrem weich und schmiegsam, die Nähte sind kaum noch spürbar. Bekannte Produkte: Sabasoft


Wichtig: Die Filamente für Nähfäden unterscheiden sich deutlich von denen für Anwendungen im 3D Druck.

Herstellung von Nähfäden

Die Herstellung von Nähfäden und Stickgarnen ist ein aufwendiger Prozess mit einer Vielzahl einzelner Fertigungsschritte auf verschiedenen Maschinen und Produktionsanlagen. Im Gegensatz zur nähenden Konfektion, die aufgrund der Bedienung der Nähmaschinen grundsätzlich personalintensiv ist, erfordert die Nähfadenproduktion in erster Linie einen hohen maschinellen Einsatz. Hochmoderne, vielfach computergesteuerte und vollautomatische Produktionsanlagen bestimmen die Fabrikation.

Personal in der Fertigung wird vor allem für das Bestücken und Reinigen der Maschinen benötigt. Die Fertigungskontrolle wird bei den meisten Prozessschritten ebenfalls vollautomatisch durchgeführt. Störungen werden mit Detektoren gemeldet und vom Personal beseitigt. Viele Fertigungsschritte haben eine lange Durchlaufzeit. Anders als beispielsweise in der Bekleidungsfertigung, in der man in Minuten kalkuliert, gibt es in der Nähfadenherstellung an einigen Positionen Durchlaufzeiten von mehreren Stunden, teilweise sogar Tagen. Eine optimale Produktionsplanung und -steuerung ist daher für die Nähfadenfertigung von besonderer Bedeutung.
Nähfadenherstellung heißt heute Verarbeitung synthetischer bzw. teilsynthetischer Vorprodukte. Reine Naturfasern haben mit wenigen Ausnahmen nur noch eine geringe Bedeutung. Der Baumwollzwirn ist hier der wichtigste Vertreter und wurde deshalb im Produktionsschema am Ende des Kapitels und in den Beschreibungen der Fertigungsschritte mit aufgenommen. Die Fertigungslinien der einzelnen Nähfadentypen (Umspinnzwirne, Faserzwirne, Multifilamente, texturierte Multifilamente etc.) unterscheiden sich im Ablauf der Prozesskette und durch ausgesuchte Fertigungsschritte, die speziell nur für einzelne Nähfadentypen erforderlich sind. Ergänzend zum Produktionsschema werden die wichtigsten Prozessschritte der Nähfadenherstellung nachfolgend beschrieben

Hersteller von Nähfäden

AMANN Group
Gütermann
Scanfil
MEZ
Coats

Messen für Textil & Nähfäden

Texprocess
Internationale Leitmesse für die Verarbeitung textiler und flexibler Materialien.

Mehr Info zu Nähfäden

  • Automotive Nähfäden
    Vom Airbag über das Lenkrad bis zum Sicherheitsgurt – Textilien in unterschiedlichster Ausprägung sind wichtige Komponenten der Fa ...
  • Smart Yarns
    Smart Yarns werden als intelligente Garne bezeichnet. Die Garne (Hybridzwirne) besitzen beispielsweise leitfähige Eigenschaften.
  • Stickgarn - Rohstoffe, Stickgarnaufbau, Basiswissen
    Stickereien machen den gewissen Unterschied – sie werten auf und sorgen für eine persönlicheNote. Die verwendeten Stickgarne sind ...