Wie funktionieren raumlufttechnische Anlagen?

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Nicole Heib
Gesec Hygiene + Instandhaltung GmbH + Co. KG
aktualisiert am 13.07.2020 - 07:57:26
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Lüftungsanlagen

Raumlufttechnische Anlagen (Lüftungsanlagen) sind technische Einrichtungen, um Wohn-, Büroräumen, Produktionsbereichen oder öffentlichen Gebäuden Außenluft zuzuführen und verbrauchte oder kontaminierte Abluft abzutransportieren. Je nach Anwendungsfall gibt es Anlagen mit kontrollierter Zuluft, kontrollierter Abluft oder kombinierte Zu- und Abluftanlagen.

Frage/Definition: Was ist/sind Lüftungsanlagen?
Auch oft gesucht: Luftleitung, Luftkanal, Luftleitungssystem, Zu- und Abluftanlage, RLT-Anlage, Klimaanlage, Lüftungsgerät



Wie funktionieren Raumlufttechnische Anlagen?



Lüftungsanlagen bestehen in der Regel aus einem Lüftungsgerät und einem Lüftungskanal. Das Lüftungsgerät beinhaltet meist Ventilatoren, Heiz- und Kühlregister, verschiedene Filtersysteme, Schalldämpfer, Drosselklappen, Volumenstromregler, Brand- und Rauchschutzklappen, Auslässe (für Decken, Wände oder Boden) sowie u.U. einen Luftbefeuchter. Von außen werden die Bauteile durch Wetterschutzgitter und eine Absperrklappe vor dem Eindringen von Tieren oder Laub geschützt.

Corona: Desinfektion von RLT-Anlagen

Grundsätzlich ist die Desinfektion einer raumlufttechnischen Anlage als gesonderte und eigene Dienstleistung anzusehen. Diese sollte idealerweise präventiv, nicht erst im Verdachtsfall vorgenommen werden. Nur so stellt man sicher, dass keine pathogenen Verunreinigungen in die Raumluft gelangen. Eine sinnvolle und wirksame Desinfektion basiert auf einer umfassenden Projektplanung, der Wahl des richtigen Desinfektionsmittels und der gewissenhaften, vorangegangenen Reinigung der zu desinfizierenden Oberflächen.

Technische Wartung von RLT-Anlagen nach VDMA 24168

Die Wartung von RLT-Anlagen nach VDMA 24168 dient der Bewahrung des Sollzustandes und der Verfügbarkeit. Das von der Arbeitsgemeinschaft Instandhaltung Gebäudetechnik (AIG) im VDMA erarbeitete Einheitsblatt VDMA 24186 "Leistungsprogramm für die Wartung von technischen Anlagen und Ausrüstungen in Gebäuden" liefert Instandhaltungsunternehmen, Planern und Betreibern Raumlufttechnischer Anlagen einen Anhaltspunkt, welche Wartungsarbeiten zur Funktionserhaltung durchgeführt werden sollten.

Richtlinien zur Filtertechnik EN779 (zurückgezogen) und ISO16890

Allgemein

Im August 2018 ist die bisherige Norm EN779 zurückgezogen worden und ist seitdem nicht mehr gültig. Dies gilt ebenfalls für Bestandsanlagen. An die Stelle der EN779 trat Norm ISO16890-1:2017-08, welche insbesondere auf urbane Räumen und der dort vorherrschenden Problematik von Feinstäuben abzielt.

Lüftungsanlage: verharzter Kanal (Quelle: Gesa Hygiene-Gruppe)

Filterklassen gemäß ISO16890-1:2017-08 i.V.m VDI 6022-1:2018

Die bisherigen Klassifizierungen der EN779 (z.B. M5, F7, F9 etc.) entfallen mit der neuen Norm. An deren Stelle treten folgende Bezeichnungen:

  • ISO ePM1 X%: Filter, der Partikelgrößen im Spektrum von 0,3μm bis 1μm erfasst. Der Abscheidegrad wird hier in Prozent angegeben. Bei einer einstufigen Filterung müssen Filter mindestens der Klasse ISO ePM1 50% entsprechen.
  • ISO ePM2,5 X%: Filter, der Partikelgrößen im Spektrum von 0,3μm bis 1μm erfasst.
  • ISO ePM10 X%: Filter, der Partikelgrößen im Spektrum von 0,3μm bis 10μm erfasst.
  • ISO Coarse : Grobfilter

Die VDI6022-1:2018 schreibt hier verschiedene Filterkombinationen vor, die sich aus der Qualität der Außenluft und der der gewünschten Qualität der Zuluft zusammensetzen.

Richtlinienreihe VDI 6022

Bereits seit mehreren Jahrzehnten gilt die VDI 6022 als die Standardrichtlinie im Bereich der Hygiene für Raumlufttechnik. Mehr zur Richtlinienreihe VDI 6022.

Lüftungsanlagen: Kanal nach der Reinigung (Quelle: Gesa Hygiene-Gruppe)

Dichtheit von Luftleitsystemen und Abdichtung

Leckagen in Lüftungsanlagen wirken sich nicht nur negativ auf die Effizienz der Anlage aus und kosten damit bares Geld, sondern können auch hygienische Folgen haben. Beispielsweise kann sich bei Temperaturunterschieden Feuchtigkeit niederschlagen und zu Schimmelbildung oder Bakterienfilmen führen. Auch kann Abluft mit Keimen belastet sein und nicht mehr ordnungsgemäß aus dem Gebäude abgeführt werden. Ebenso ist im industriellen Kontext eine Belastung mit Lösungsmitteln oder Abgasen denkbar. Eine Leckage in der Anlage sollte daher aus mehrfacher Hinsicht beseitigt werden.

Bisher war die Abdichtung von Leckagen mühselig und musste von Hand durchgeführt werden. Über die letzten Jahre wurden hierfür Systeme entwickelt, die Dichtstoffe mit Hilfe von Druckluft und Wärme zerstäuben, per Ventilator in die Luftleitung einbringen und sich an den entsprechenden Leckagen ablagern und diese verschließen.

Die VDI 6022:2018-1 empfiehlt hier i.V.m. mit der DIN EN12237 und DIN EN 1507 mindestens Dichtheitsklasse C.

Abluftanlagen in Küchen

Die Abluft entsteht in der Küche bei Kochvorgängen. Diese setzt sich aus Wasserdampf, olfaktorischen Stoffen und Fett zusammen. Diese Abluft, der sog. Wrasen wird durch den Abluftkanal einer Küche / Großküche nach außen abgeführt. Durch die Ablagerungen aus Fett und Schmutz im Abluftkanal entstehen nicht nur Hygienemängel, sondern auch ein erhebliches Brand- und Explosionsrisiko.  Die Richtlinie VDI 2052 Blatt 1 gibt Hinweise zur lufttechnischen Behandlung von gewerblichen Küchen und zugehörigen Bereichen sowie zur Dimensionierung und zum Aufbau der raumlufttechnischen Anlagen. Sie gilt in Verbindung mit DIN EN 16798 und DIN 18869.

Klimaschutz

Eine Studie des Fachverbands Gebäude-Klima e.V. zeigt, dass eine RLT-Anlage ca. 18% (FGK, 2020) des Energiebedarfs eines Büro- und Verwaltungsgebäudes ausmacht. In der produzierenden Industrie oder in besonders sensiblen Bereichen, ist dieser Anteil noch höher. Entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung des Energiebedarfs und somit zum Klimaschutz bestehen beispielsweise aus dem Ventilatorentausch: Die Hauptaufgabe des Ventilators besteht darin, einen bestimmten Luft-Volumenstrom durch die RLT-Anlage zu fördern und dabei eine Druckerhöhung zu erzeugen, die den Strömungswiderstand der Anlage überwindet. Hierbei beträgt der Energieanteil des Ventilators ca. 30-50% des Gesamtenergieaufwands der RLT-Anlage. Moderne Ventilatoren verfügen über einen optimalen Einbauwirkungsgrad von 50% bis 70%, während bei Altanlagen meist nur 25% bis 35% erreicht werden (FGK, 2020). Zudem ist die Abdichtung des Luftleitsystems sowie entsprechende Reinigung und Instandhaltung hinsichtlich der energetischen Effizienz unabdingbar. Noch nicht ganz ausgereift, aber in der Entwicklung sind aktuelle "smarte" RLT-Anlagen. Bisher war die Errichtung smarter RLT-Anlagen noch mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Teilweise mussten Sensoren in Räumen, Lagerhallen oder anderen Bereichen über lange CAN-Systeme mit der RLT-Anlage verbunden werden. In den letzten Jahren haben sich jedoch verschiedene Wide Area Network (WAN) Standards etabliert. LoRaWAN zum Beispiel kann hierbei bei minimalem Energieverbrauch und geringen Investitionskosten (Jung, 2017, S.43ff.) Daten von Sensoren an RLT-Anlagen schicken und diese bedarfsorientiert steuern. Zwar steckt dieses Thema noch in den Kinderschuhen, doch es tut sich viel in diesem Bereich und es wird spannend zu beobachten sein, wie sich dieser entwickelt.

Fachverbände

Fachverband Gebäude-Klima (FGK)

In seiner mehr als fast 50-jährigen Geschichte entwickelte sich der Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK) zum führenden Branchenverband der deutschen Klima- und Lüftungswirtschaft. In dieser Funktion vertritt der FGK die Interessen seiner Mitglieder gegenüber den Marktpartnern, der Politik, der Wirtschaft, den Normungsinstitutionen und der Wissenschaft. Mit einer intensiven politischen Kommunikation nimmt der Verband Einfluss auf ordnungsrechtliche Vorgaben sowie auf Normen aus dem relevanten Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung. Die ca. 300 Mitglieder des FGK beschäftigen rund 49.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von etwa 7,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Deutscher Fachverband für Luft- und Wasserhygiene (DFLW)

Der Deutsche Fachverband für Luft- und Wasserhygiene e.V.(DFLW) wurde 2002 gegründet und setzt sich seither für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zur Wahrung einer hygienisch unbedenklichen Luft- und Wasserqualität in Wohn-, Gewerbe- und Produktionsstellen ein.

Österreichische Fachverband für Raumlufttechnik

Der Österreichische Fachverband für Raumlufttechnik ist das erste Netzwerk für Professionisten aus dem Bereich "Raumlufttechnik". Durch das große Spektrum an Branchen, sowie unsere namhaften Mitglieder, stellt der ÖFR eine ganzheitliche und ausgewogene Interessenvertretung für "raumlufttechnische" Anliegen in Österreich dar.

Hersteller und Dienstleister

Gesa Hygiene-Gruppe
Die Gesa Hygiene-Gruppe besitzt umfassende Fachkompetenz rund um die Hygiene und betriebserhaltende Wartung von raumlufttechnischen (RLT) Anlagen. Die Leistungen in diesem Bereich umfassen die Reinigung und Desinfektion kompletter RLT-Anlagen, Hygieneinspektion nach VDI 6022 und den vorbeugenden Brandschutz für Küchenabluftanlagen. Die Abdichtung von Luftleitkanälen mit gesaAeroseal® ist ein zeit- und kosteneffizientes Verfahren zur nachträglichen Abdichtung von raumlufttechnischen Anlagen. Die Unternehmen der Gesa Hygiene-Gruppe arbeiten nach zertifizierten Managementsystemen und besitzen vielfältige Qualifikationen. Auf die hohe fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiter können Sie zählen: Sie erhalten beste Leistungen in allen Bereichen der betrieblichen Hygiene.

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