SVZ.de - online 5.5.1995 - die Geschichte dahinter

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aktualisiert am 08.05.2020 - 06:45:03
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SVZ.de

SVZ.de ist die erste Online-Tageszeitung, die am 5.5.1995 online ging. Die Geshichte wurde gestaltet von vielen Mitstreitern.

Frage/Definition: Was ist/sind SVZ.de?



Der Online-Gang der ersten Tageszeitung in Deutschland, fand 1995 mit der SVZ (Schweriner Volkszeitung) in einem Digital-Hochzimmer in Schwerin statt. Das ist eine Geschichte, an die sich die Macher der ersten Stunde gerne erinnern und auf dieser Seite darüber berichten.

Die Macher sind: Andreas von Roth, Veikko Wünsche, Karsten Kubeler, Stefanie Wedell, Frank Simon, Henner Willnow, Stephan Buchwald, ...

(Diese Seite ist noch im Entstehen: Die Beteiligten schreiben nach und nach ihre Geschichte rein)


1994 - Die Web-Qualifikation für svz.de

Veikko dazu

Für mich begann das Internetzeitalter im Jahre 1990, mit dem Informatik-Studium an der Universität Rostock. Direkt nach der Wende hatten wir eine top Ausstattung mit Sun Unix-Workstations, schnellen Internetanschluss, E-Mail, irc und gopher. 1994 kamen die Praktika. Für mich bedeutete das Vollgas in Sachen Internet. 1994 entwickelte ich bei Dornier in Friedrichshafen (heute EADS) ein Hilfesystem auf der Basis der NSCA Mosaiq-Software. Ich war stolz wie Bolle als ich dafür von Dornier eine fette UNIX-Maschine mit nach Hause bekam.

1994 überwinterte ich ein halbes Jahr auf Mallorca. Und zwar an der Universität, um dort das Physik-Institut ans Internet zu bringen. Die HTML-Seiten generierte ich mit Perl und LaTeX. Zu dieser Zeit begleiteten mich die Artikel von Rainer Klute im iX Magazin des Heise Verlages, die ich regelrecht verschlang! Rainer, vielen Dank dafür!

Zurück in Deutschland heuerte ich 1995 bei Germany.net und Frank Tegtmeyer an. Einen Haudegen in Sachen Internet. Vielen Dank für den wertvollen Austausch! Mein Job: Generierung von HTML-Seiten Version 2.0 mit Perl und LaTeX und sonstigen heißem 1995er-Web-Scheiß.

Dann meinte ich, dass Mecklenburg-Vorpommern auch mal eine Internetplattform haben solle, mit News, Kontaktmöglichkeiten und so weiter. Da ich ja in der Uni saß, fand ich es auch ganz praktisch, alles auf dem Uni-System zu entwickeln und gleich auf dem Uni-Server ins Netz zustellen. Als das die Uni mitbekam, fanden die das irgendwie nicht so ganz lustig. Aber schön wars. Gestartet habe ich das Nordnetz von Mallorca aus und kann deswegen heute noch die vi-Kommandos. Denn die Insel war damals über eine 64K ISND-Leitung angebunden, so dass ich die Editor-Kommandos für eine Datei auf einen Server in Deutschland tippen musste, die nach einer Weile auch ausgeführt wurden.

1995

Veikkos Erinnerung

Irgendwann rief einer in der Uni an, der den "Prof. Wünsche" mit dem Internet sprechen wolle. Hm, auch dass fand die Uni nicht so lustig. Nicht, dass ich mich falsch ausgegeben hätte ...

1995 war ich begeisterter Teilnehmer der 3. WWW Conference des W3C in Darmstadt. Ich war also vorbereitet, um aus SVZ (Schweriner VolksZeitung) ein SVZ online zu machen. Die erste Tageszeitung online Deutschlangds. 1995 rief deswegen wohl Andreas von Roth an. Der bei der hansenet medien gmbh, einer Burda-Tochter, diese Zeitung SVZ ins Netz bringen wollte. Das fand ich ja mal cool. Offiziell das zu tun, was mir Spass machte. Mein Studium habe ich erst mal meinerseits auf on hold gesetzt - man muss ja Prioritäten setzen. In der Woche lebte ich im Hotel. Quasi Lindenberg-Feeling; nur eben programmieren statt singen. Die Tageszeiten schienen gleich zu sein.

SVZ.de Online 13.4.2017
Eine Seite der svz.de am 12.4.2017 (leider ohne Bilder im Archive gefunden)

Der Start im Burda-Haus war toll: Die attraktive Assistentin der Geschäftsführung kam zu mir auch immer mit einem Tablet mit Wasser, Organgensaft und Kaffee. Irgendwie schien das der echten Geschäftsführung nicht so gefallen zu haben, so dass ich nich nach einer Weile der Verwöhnung selbst versorgen musste. Ich fand Sie auch ganz nett.

Logo hansenet medien net gmbh, die macher von SVZ online
Die Logo der hansenet medien gmbh, die Macher von SVZ online

Die operative Einheit war die hansenet medien gmbh.

Mein Arbeitsplatz war ein Einzelzimmer mit 3 Arbeitspläten für mich allein. Stolz präsentierte mir Andreas den neuen Mac mit dem ich 1995 noch nicht klar kam, war ja nur UNIX-Console gewöhnt. Deswegen musste ein Intel-PC mit einem Linux-System her. Ein Linux nutzten wir die DLD-Distribution von Delix aus Stuttgart. Seit 1998 lebe ich in Stuttgart und die die Welt ist klein. Mit einem der DLD-Macher Jens Ziemann (heute Senior Director, Global Learning Services EMEA at Red Hat) quatsche, ähm trainiere, ich gelegentlich im Fitnessstudio. 2000 arbeite ich für Jens als Trainer bei Redhat. Mit dem andern DLD-Macher, Nils Mache (heute Founder and managing partner at Nextcloud) verbindet mich der Unternehmergeist.


Den Internetanschluss bekamen wir über Frank Simon von ECCE TERRAM.

Beim Schreiben dieses Artikels hörte ich von Stefanie: "Kann mich noch erinnern, wie Veikko morgens noch im Büro saß, wenn Karsten und ich zur Arbeit kamen. Inkl. Leerer Pizzakarton." Heute lebe ich natürlich gesund ;-)


Ein interessanter Austauschpartner war Stephan Buchwald, der in Schwerin die Hypovereinsbank online brachte, ohne dass die obersten Etagen es wussten. Dies erzählte ich gern bei Vorträgen ... mit dem Anschluss: "Schauen Sie mal ins Internet, vielleicht sind Sie ja schon online!". Das ging halt so lange bis Internet normal war, so 2000.


SVZ.de Online 4.7.1998
SVZ.de 4.7.1998, jetzt geht schon mehr Content online

Farben soll man nicht einfach so ändern

Andreas lies mich immer machen. Ihm war es wurscht, welches Linux-Setup und Perl-Wunder gerade lief. Hauptsache die Website tat. Das tat sie ... nur manchmal veränderte sich die Farbe der Website in der Zeit die er von meinem Platz zur Präsentation mit Kunden oder der Geschäftsführung brauchte. Ok, das fände ich heute in seiner Rolle auch nicht sooo lustig. Einmal habe ich einfach alles invers geschaltet. Ich fand das echt innovativ. Ich weiß auch noch heute, was ich mir damals dachte. Wenn die Webseite weiß ist, dann wurde ja die Kathodenstrahlröhre des Monitors voll beschossen: mit 100% Rot, mit 100% Grün und mit 100% Blau (RGB #ffffff). Also volle Energie in der Röhre und volle Energie im Auge. Auch wußte ich, dass die Sensoren der Augen besonders sensible für Grün sind. Also fand ich es total logisch, schonend für Technik und Mensch, die Schrift grün auf schwarzem Hintergrund zu schalten. Ein 1995er Webmaster war eben alles: Programmierer, Content-Stratege und vor allem auch Designer ;-).


1996

Bis 1996 haben wir nur Print-Artikel für Online abgegriffen. Nun kamen auch die ersten Journalisten zum Online-Projekt hinzu. Dies erforderte eine Annäherung von Klimazonen. Zu Beginn haben wir mehr über E-Mails gesprochen, als damit kommuniziert. Denn der Wunsch der Klimazone Redaktion war es jetzt, das Medium E-Mail nicht als Zuwurf von Stichworten für eigenständige Assoziationen auf der Empfängerseite zu verstehen. Jetzt musste richtige geschrieben werden. Erst eine vollständige Ansprache und eine vollständige Abschlussformel, stelle sicher, dass der Empfänger das Wollwollen auch erkennen konnte. Logik sollte in guten emotionalen Text-Schwingungen schweben.

Weiter gehts mit Geschichte der Redaktion: https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/25-Jahre-SVZ-de-Die-erste-deutsche-Tageszeitung-im-Internet-id28159387.html

1998

Veikko

Ende 1998 zog es mich nach Stuttgart, um am Fraunhofer IAO an einem Forschungsprojekt zum Thema Internet für die Investitionsgüterindustrie zu arbeiten. Nach dem Ende des Projektes und vor Abschluss der Promotion, "musste" ich die B2B Internetagentur Lightwerk gründen, aus der meine heutige Firma induux hervorging. Immer Internet.

2020: 25 Jahre svz.de!

Ein schöner Anlass für alle Beteiligten, die mittlerweile in Deutschland verteilt leben (Hamburg, Stuttgart, Rostock, Potsdam) hier wieder zusammen zu finden, Infos zusammenzutragen, das ganze feiern. So machen das Internet-Dinos ;-)